Im Dienst der Wissenschaft

Über den Umgang mit dem Garten

Warum im Botanischen Garten besondere Spielregeln gelten

Betritt man den Garten und folgt dem Rundweg vorbei an Beeten mit einer überbordenden Fülle an Pflanzen und gerade im Frühjahr/Sommer mit Kaskaden von Blüten, so vergisst man schnell, dass der Garten, der uns erfreut, belehrt und zum Staunen bringt, kein Volksgarten im herkömmlichen Sinn ist. Als Bestandteil der HHU Düsseldorf dient der Garten vorrangig der Wissenschaft und der Bildung. Deshalb gelten für einen Besuch besondere Spielregeln.

Science and Pleasure! Damit in Anlehnung an den historischen Leitspruch der Royal Botanic Gardens, Kew auch in Düsseldorf der Spagat zwischen Wissenschaft und Vergnügen gelingt, sind einige Spielregeln zu beachten. Bitte halten Sie sich an die Besucherordnung, die neben dem Haupteingang aufgehängt ist. Kein Picknick, kein Sport oder Radfahren und: Hunde bitte zu Hause lassen! Auch wenn es einen noch so „in den Fingern juckt“: Das Beschädigen, Pflücken und Ausgraben von Pflanzen sowie das Mitnehmen von Sämereien ist verboten. Wenn Sie dennoch etwas nach Hause tragen möchten: In der Pflanzzeit steht links neben der Kuppel ein Gestell mit überzähligen Pflanzen aus dem Garten. Der Freundeskreis freut sich über eine Spende. Beim Fotografieren oder Betrachten möchte man einer Pflanze so nah wie möglich sein, treten Sie bitte dennoch nicht in die Beete.

Botanische Gärten sind keine Volksgärten!

Während Volksgärten und in der weiteren Entwicklung Stadtparks seit Ende des 18. Jahrhunderts als Orte der Erholung mit Spiel- und Sportplätzen angelegt werden und der urbanen Bevölkerung den Zugang zur Natur ermöglichen sollen, sind botanische Gärten vorrangig der Wissenschaft gewidmet. Ursprünglich in der Tradition der klösterlichen Kräutergärten als Heilpflanzengärten entstanden – der erste und weltweit älteste botanische Garten wurde 1545 in Padua gegründet – kamen im Laufe der Jahrhunderte vielfältige Aufgabenbereiche hinzu. Neben der Bereitstellung von Anschauungsmaterial für Studien sehen es die botanischen Gärten heute als eine Aufgabe an, aktiv zur Erhaltung der Artenvielfalt beizutragen.

Auch die Einrichtungen des Botanischen Gartens der HHU Düsseldorf stehen vorrangig im Dienste der Forschung und Lehre von biologischen und und pharmazeutischen Instituten der Universität. Von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Gartens werden Pflanzen in den Gewächshäusern und im Freiland für die Forschung herangezogen. Für Lehrveranstaltungen der einzelnen Institute wird regelmäßig Pflanzenmaterial bereitgestellt, und das Freigelände bietet lebendes Anschauungsmaterial.

Der Garten ist aber auch eine Bildungseinrichtung für die Öffentlichkeit, der auf sinnliche Art viel Wissen vermittelt. Wo sonst kann man bei einem entspannten Spaziergang so viel lernen? Ob Apotheker- oder Nutzgarten, geographische Abteilung oder Gewächshaus, überall gibt es etwas zu entdecken, lernen und bewundern. Zahlreiche Tafeln und Stelen geben begleitende Informationen, lauschige Plätze laden zum Verweilen und Genießen ein.

Um die Schönheit des Gartens zu bewahren, ist ein immenser Arbeitsaufwand erforderlich. Leisten wir gemeinsam unseren Beitrag, indem wir behutsam mit dem Garten umgehen.

Abschließend noch ein kleiner Abstecher zu Adolph Freiherr Knigge, auf den ich in meiner Überschrift Bezug nehme: Mit seinem berühmtesten Werk “Über den Umgang mit Menschen“ (1788) wollte Knigge den Menschen vorrangig Höflichkeit und Taktgefühl vermitteln. Neben allgemeinen Bemerkungen und Vorschriften über den Umgang mit Menschen schrieb er unter anderem über den Umgang mit Geistlichen, Verliebten und Hauswirten. In einem der letzten Kapitel der umfangreichen Schrift widmete er sich dem Thema „über die Art, mit Tieren umzugehen“. Ich bin mir sicher, heute hätte Knigge sich auch „Über den Umgang mit dem Garten” Gedanken gemacht.

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