Aus Freude an der GärtnereyWas tut sich im Garten?

Winterschlaf? Von wegen!

Der erste Beitrag im neuen Jahr ist eine gute Gelegenheit zu erkunden, was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gartens im Winter machen und welche Arbeiten anstehen. Eines kann ich schon vorneweg verraten, von Winterschlaf kann keine Rede sein! Der Garten, der uns erfreut und belehrt, wächst ja nicht von alleine, sondern bedarf ganzjährig der Planung, Pflege und behutsamen Eingriffe, um sich in dem uns vertrauten Glanz zu präsentieren.

“Pflanzen sind die Grundlage unseres Lebens”. Gemäß diesem Motto arbeitet ein Team von 18 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie fünf Auszubildenden engagiert und mit Herzblut in “seinem” Garten. Neben dem Direktor des Gartens, Prof. Dr. Peter Westhoff und der Leitung des Gartens, die sich Dr. Sabine Etges als Kustodin und Heinz Diehl als technischer Leiter teilen, gibt es zwei Gartenmeister und eine Gartenmeisterin – sie stellen quasi die Abteilungsleitungen des Gartens dar – vier Reviergärtnerinnen, zwei Reviergärtner, fünf Gärtner und eine Gärtnerin sowie einen Schlosser. Die Frauenquote mit einem Anteil von 45 % ist also nicht schlecht! Unabhängig von den hierarchischen Strukturen unterstützt man sich gegenseitig und packt da mit an, wo Hilfe benötigt wird, denn auch hier ist die Personaldecke dünn. Und man bleibt in seinem Garten. Die Fluktuation ist gering, die Dauer der Betriebszugehörigkeit ist beeindruckend.

Andreas Fischbach
Tobias Rönsch

Gartenmeister Fischbach ist mit 38 Arbeitsjahren im Garten der treueste Mitarbeiter, gefolgt von Claudia Mahr und Christoph Busch mit fast 30 Jahren. Aber auch Dr. Sabine Etges kann 2022 auf 20 Jahre im Garten zurückschauen . Wird der jüngste Mitarbeiter, Tobias Rönsch, der bereits seine Ausbildung im Botanischen Garten absolviert hat, mit seinen jetzt 24 Jahren auch einmal auf so eine lange Zeit im Garten zurückschauen?

Und man darf natürlich nicht die 19. Mitarbeiterin vergessen. Die pechschwarze Katzendame Lucy hat den Garten zu ihrem Landsitz erkoren. An sich in der Nachbarschaft zu Hause, verbringt sie viel Zeit im Garten und in den Betriebsräumen, wo es kuschelige Rückzugsmöglichkeiten, Leckerchen und viele Streicheleinheiten für sie gibt. Sie bedankt sich auf Katzenart mit reicher Beute, die sie vor die Türe legt.

Die Besucherinnen und Besucher sehen das Team vom Frühjahr bis Herbst beim Pflanzen, Jäten, Mähen und Gießen. Jetzt in der Winterzeit arbeiten sie eher im Hintergrund, was aber nicht bedeutet, dass sie nichts zu tun hätten. Häufig wird Frau Dr. Etges die Frage gestellt: “Haltet ihr jetzt Winterschlaf, im Garten gibt es doch so gut wie nichts zu tun?” Das stimmt natürlich nicht. Es sind ja nicht nur die Forschungsgewächshäuser, die für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind, und die anderen Gewächshäuser, in denen die empfindlichen Kübelpflanzen während des Winters untergestellt sind, die gepflegt werden müssen. Im Winter können auch die Arbeiten erledigt werden, für die während der Saison kaum Zeit war. Die Planung für das neue Jahr erfolgt, Archivierungsarbeiten stehen an, Maschinen werden überholt, Keller aufgeräumt und natürlich sind auch im Garten selber noch Winterarbeiten zu erledigen.

Arbeitsmittel
Spind, Stiefel und Wasserhosen

Die Aufräum- und Putzarbeiten haben mich nicht so interessiert, da habe ich zu Hause selber ein weites Feld, das es zu beackern gilt! Fasziniert hat mich jedoch der Austausch von Sporen, Samen, Früchten und Bulben von Pflanzen aus dem Gewächshaus- und Freilandbereich sowie von Wildstandorten in der Umgebung mit anderen botanischen Einrichtungen, der im Winter vorbereitet wird. Da Pflanzen von natürlichen Standorten meist nicht im kommerziellen Gartenbau erhältlich sind, tauschen Botanische Gärten und vergleichbare Einrichtungen kostenlos Saatgut und Pflanzenteile aus, die in Samenkatalogen erfasst werden (Indices Seminum).

Der Botanische Garten beteiligt sich an diesem internationalem Austausch. Sein Samenkatalog umfasst ca. 150 Pflanzenarten. Jedes Jahr werden ca. 1500 Proben an 100 andere Einrichtungen versandt und im Gegenzug Samen angefordert. In zwei Räumen, ausgestattet mit einer großen Entlüftungsanlage, wird das im Laufe des Jahres gesammelte Saatgut geputzt, getrocknet, portioniert und im Frühjahr an andere Botanische Gärten versandt. Eine mühselige Arbeit! Wer einmal selber Samen gesammelt hat, weiß wie filigran die Exponate sind, wie sie durch die Finger schlüpfen oder von einem Windhauch verweht werden können. Leider können Privatpersonen von diesem Angebot nicht profitieren, aber es ist eine schöne Vorstellung, dass es ein weltumspannendes botanisches Netzwerk gibt.

Bei allem Respekt vor dem Winter, ich freue mich auf die ersten blühenden Schneeglöckchen!

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