Im Pflanzenreich

Flieder zum Muttertag

Aber nicht aus Nachbars Garten!

Die kalten Nächte in diesem April haben auch ihr Gutes. Pünktlich zum Muttertag blüht der Flieder und kann der Mutter als duftender Strauß überreicht werden. Ein alter Brauch, der in den vergangenen Jahren wegen der veränderten Klimabedingungen oft nicht mehr möglich war. Die Blütenrispen welkten am zweiten Sonntag im Mai bereits und zeigten braune Spitzen. Damit konnte man bei Mutter keinen Eindruck machen.

Vom Sturm abgerissen

Vielleicht erinnern Sie sich noch? Früher war ein Fliederstrauß das klassische Geschenk zum Muttertag und häufig genug kam er nicht aus dem eigenen Garten. Flieder “klauen” zum Muttertag in Nachbars Garten oder im Park war ein gern verübter (und das Taschengeld schonender) Kinderstreich, aber wehe der Nachbar erwischte einen. Als “Kavaliersdelikt” gilt der Diebstahl heute nicht mehr. Auf einschlägigen Webseiten wird man darauf hingewiesen, dass auch Blütenrispen, die über den Zaun wachsen, dem Gartenbesitzer gehören und dass in öffentlichen Grünanlagen das Abschneiden von Blüten oder Zweigen ebenfalls verboten ist. Nur auf “wildem” Gelände darf man unbeschwert schneiden. Aber wo gibt es das in der Stadt noch. Also, auf zum Blumenhändler oder in den eigenen Garten.

Flieder (Syringa) ist ein winterkahler Laubstrauch oder kleiner Baum, der durch seine Blütenfülle und den intensiven Duft ein beliebtes Ziergehölz ist. Er gehört zur Familie der Ölbaumgewächse (Oleaceae) und umfasst etwa 20-30 Arten. Der Gewöhnliche Flieder (Syringa vulgaris), der bei uns in vielen Gärten und Parks blüht, war ursprünglich in den Balkangebirgen beheimatet. Nach Europa gelangte er zweimal. Schon um das Jahr 900 brachten die Araber den Flieder nach Spanien. 1560 kam er dann aus der Türkei als diplomatisches Geschenk nach Wien. Der kostbare Strauch, zunächst dem Adel vorbehalten, war jedoch schon um 1800 wegen seines Dufts und der üppigen Blüten in vielen Bauerngärten zu finden (daher auch der Name Bauern-Flieder) und erwies sich zudem als zuverlässiger Windschutz. Die ersten, spektakulären Züchtungserfolge mit gefüllten Fliedersorten erzielte der Franzose Victor Lemoine (1823-1911) in seiner Baumschule in Nancy gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Heute umfasst Syringa vulgaris mehr als mehr als 500 Sorten und ist für viele das Symbol für den Frühling schlechthin. Obwohl sein Duft so betörend ist, ist der gesamte Flieder ausgeprägt bitter. Er wird in der Heilkunde gegen Fieber und Verdauungsschwäche eingesetzt. Für Zuckermäuler kann ich jedoch kandierte Fliederblüten empfehlen, die man leicht selber herstellen kann und die Torten und Nachtische optisch und geschmacklich “aufpeppen”.

Syringa x chinensis
Syringa vulgaris

Im Botanischen Garten gibt es zwei Fliederbäume. Ganz klassisch steht am Zaun des Bauerngartens ein Gemeiner Flieder (Syringa vulgaris) mit ausgeprägter lila Farbe. Vor dem Verwaltungsgebäude wächst der zartviolette Chinesische Flieder (Syringa x chinensis), eine Hybride, die um 1777 in Frankreich aus einer Kreuzung zwischen Syringa vulgaris und dem Persischen Flieder (Syringa persica) entstanden ist. Sie besticht mit ihren herrlich duftenden Blüten und führt daher zu Recht den Namen “Königsflieder”.

Flieder blüht in der Vase bis zu einer Woche. Er ist allerdings etwas heikel. Damit man sich möglichst lange an seinen Rispen und dem Duft erfreuen kann, sollten die Blätter entfernt werden, das Wasser jeden Tag ausgetauscht und die Stiele neu angeschnitten werden. Und wem es leid tut, seinen eigenen Fliederbusch zu plündern, der kann sich damit trösten, dass der regelmäßige Schnitt von Sträußen der Vergreisung und Verkahlung der Krone vorbeugt.

Was man nicht alles “ausbuddelt”, wenn man sich mit einem Thema beschäftigt. Wussten Sie, dass unser Farbadjektiv “lila” (fliederfarben) auf “lilak” den arabischen Namen des Flieders zurückgeht? Eine Bezeichnung für die violette Farbe gab es bis dahin bei uns nicht.

Was die Blumensprache von Flieder anbelangt, so ist das Angebot weit gefächert. Laut meinem Büchlein “The Language of Flowers” bedeutet weißer Flieder jugendliche Unschuld, lila Flieder dagegen das Aufblühen einer neuen Liebe. Flieder kann aber auch bedeuten: Wirst du mir treu sein? Und: Lass mich nicht warten! Man kann also schon ins Grübeln kommen, wenn man einen Fliederstrauß geschenkt bekommt!

Um am Ende dieses Beitrages eine Brücke zum Anfang zu schlagen: Das Titelfoto stammt nicht aus dem Botanischen Garten, ich habe es vielmehr in “Nachbars Garten” aufgenommen. Aber ich habe mich nicht vergriffen und zugelangt, Ehrenwort!

3 Gedanken zu „Flieder zum Muttertag

Aber nicht aus Nachbars Garten!

  1. Liebe Frau Eckert-Schweizer,
    ich habe Ihren Artikel über den Flieder mit großem Vergnügen und Interesse gelesen – und viel Neues gelernt!
    Mit herzlichen Grüßen aus dem Botanischen Garten
    Sabine Etges

  2. Mein Flieder hat dieses Jahr nicht geblüht und ich wüßte gern warum, denn er sieht topp gesund aus? Zu kleiner Topf vielleicht? Ich habe ihn bisher nicht geschnitten, ( ausser den verwelkten Blütenrispen der Vorjahre), weil ich nicht weiß wie und mich nicht recht traue. Hat jemand Tipps?

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