Im Pflanzenreich

Diese Kastanien fallen einem garantiert nicht auf den Kopf

Bunium bulbocastanum, die Erdkastanie

In dieser Jahreszeit gehe ich besonders gerne durch den Nutzpflanzenbereich. Im letzten Jahr habe ich dort den Gewöhnlichen Meerrettich mit seiner ausgeprägten Panaschierung bewundert und den Färberwaid kennengelernt. In diesem Jahr hat es mir eine im Vergleich dazu eher bescheidene Pflanze angetan: Bunium bulbocastanum, eine Pflanzenart aus der Gattung Knollenkümmel (Bunium) innerhalb der Familie der Doldenblütler (Apiaceae).

Der deutsche Name hat meine Neugierde geweckt. Sie heißt Erdkastanie und – wie ich bei meinen Recherchen lernte – auch Gewöhnlicher Knollenkümmel oder Saukastanie. Es ist gar nicht so einfach, im Internet Näheres über Bunium bulbocastanum zu finden. Da mehrere Doldenblütler den deutschen Namen Erdkastanie tragen, muss man schon aufpassen, dass sich die Informationen auch tatsächlich auf Bunium bulbocastanum beziehen. Sie scheint weitgehend in Vergessenheit geraten zu sein und wird gerne mit knollenbildenden Oenanthe-Arten verwechselt, die wieder Einzug in Gemüsegärten halten.

Die Erdkastanie ist eine winterharte Pflanze mit hùbschen Blattpolstern und weißen Blütenständen, die auch im Staudenbeet eine gute Figur machen würde. Sie ist genügsam und ausdauernd und erreicht Wuchshöhen von bis zu 60 Zentimetern. Das kompakte Wurzelsystem bildet haselnussgroße Speicherknollen. Sie gedeiht am besten in sonnigen bis halbschattigen Plãtzen und wird âhnlich wie Karotten gepflegt. In trockenen Sommern zieht sie sich weitgehend zurück, treibt im Frühherbst aber wieder aus. Die Bestäubung der Blüten erfolgt durch Käfer und Schwebfliegen. Geerntet werden können die Knollen am besten ab August des zweiten Jahres, da sie im ersten Jahr nur wenige Knollen bildet. Zur Ernte wird die Pflanze aus der Erde genommen, die Knöllchen abgezupft und die Pflanze wieder eingesetzt. Größere Pflanzen können bei der Gelegenheit geteilt werden.

Der Geschmack der Wurzelknollen ähnelt dem der Esskastanien. Sie können roh oder als Suppenwürze (ähnlich wie Petersilienwurzel) gegessen werden, auch ein Püree soll schmackhaft sein. Der Samen wird insbesondere in den arabischen Ländern, Indien und dem Iran als Gewürz verwendet. Die Pflanze wirkt harntreibend und entwässernd, astringierend und potenzsteigernd.

Das Verbreitungsgebiet der Erdkastanie reicht von Europa bis nach Indien. Sie ist ein seit der Sesshaftwerdung der Menschheit bekanntes Wurzelgemüse, welches vor allem in Notzeiten gegessen wurde. In der Folgezeit geriet sie jedoch mehr und mehr in Vergessenheit. Die Suppe galt als Arznei, die u.a. auch bei “ehelichen Werken” unterstützen sollte. Schweine schätzen nicht nur Trüffel, sondern auch die Erdkastanie, daher rührt auch die Bezeichnung Saukastanie. Wie gut, dass es im Botanischen Garten neben dem lästigen Federvieh nicht auch noch gefräßige Schweine gibt!

Mein Wissen über Bunium bulbocastanum verdanke ich weitgehend der Broschüre “Alte Gartenpflanzen neu entdeckt”, die vom Land Oberösterreich herausgegeben wurde und der Webseite von Susanna Komischke, herzlichen Dank.

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