Im Pflanzenreich

Fuchsschwanz-Alarm

Amaranthus, Amaranth oder Fuchsschwanz

In diesem Jahr steht der Amaranth (Amaranthus), auch Fuchsschwanz genannt, besonders eindrucksvoll im Nutzgarten-Bereich. Wer hätte gedacht, dass der Anbau der schönen Pflanze, die auch ein Blickfang in Ziergärten und Blumensträußen ist, einst in Mittelamerika unter Todesstrafe gestellt wurde?

Amaranthus ist eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae). Abgeleitet wird das Wort vom altgriechischen Amaranthus, was so viel bedeutet wie “unsterblich” oder “nicht welkend”. Die Pflanze gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt und wird seit mehr als zweitausend Jahren in Mittel- und Südamerika angebaut. Bei den Inkas galt Amaranth als heiliges Wunderkorn und war neben Mais und Bohnen eines der Hauptnahrungsmittel, bei den Azteken wurde es einst wertvoller als Gold gehandelt. Aber wie so oft, spielten auch bei der Geschichte des Amaranths die europäischen Invasoren eine unrühmliche Rolle.

Der Spanier Cortés eroberte das Aztekenreich, der Anbau von Amaranth und der Konsum der Pflanze wurden gewaltsam unterdrückt. Die Azteken formten aus dem Korn, das ihnen heilig und das Leben verlängernd gewesen sein soll, Tierfiguren und Göttersymbole, die sie als Opfergabe bei religiösen Ritualen verspeisten. Der Amaranthhandel wurde deshalb unter Todesstrafe gestellt. Das kleine Korn erwies sich als resistent und wird heute als wichtiges Nahrungsmittel insbesondere in Mittel- und Südamerika, in den Himalaya-Staaten sowie Westafrika angebaut. Aber auch in Europa gewinnt die Pflanze als sogenanntes Superfood zunehmend an Bedeutung. Die ersten Nachweise für das Aufkommen in Deutschland stammen aus dem Jahr 1815.

Amaranth ist mit seinen über 70 Arten auf allen Kontinenten, mit Ausnahme der Antarktis, verbreitet. Seine Zugehörigkeit zur Familie der Fuchsschwanzgewächse weist darauf hin, dass es sich um ein Pseudogetreide handelt, “echte” Getreidesorten gehören zur Familie der Süßgräser. Besonders interessant ist das Korn für Menschen mit einer Glutenunverträglichkeit. Amaranth ist absolut glutenfrei.

Genutzt werden vor allem die feinkörnigen, an Hirse erinnernen Samen des Garten-Fuchsschwanzes (Amaranthus caudatus), der in den Anden bis heute unter dem Namen “Kiwicha” bekannt ist. Die Ansprüche des “Inka-Weizens” an den Boden sind gering, er sollte aber genügend Sonne ausgesetzt sein. Mit einer Höhe von 60 bis 120 Zentmetern ist die einjährige, krautige Sommerpflanze nicht zu übersehen. Der bis zu 1,5 m lange Blütenstand, meist dunkelpurpur gefärbt, hängt, wenn er voll entwickelt ist. Amaranthkörner sind kleiner als Senfkörner. In einer einzigen Pflanze können bis zu 50.000 Körner heranwachsen.

Eine Vielzahl von wissenschaftlichen Studien belegen den Nährwert von Amaranth. Der Samen des Garten-Fuchsschwanzes ist wertvoller als Milcheiweiß. Viele Nährstoffe und Spurenelemente, insbesondere auch Eisen, machen die Pflanze, vor allem für Veganer, besonders interessant. Gibt man den Begriff “Amaranth” in Suchmaschinen ein, stößt man auf eine Fülle von Rezepten. Essbar sind die kleinen Samen, die Blätter, die ähnlich wie Spinat zubereitet werden können und die jungen Triebe. Da man Amaranth problemlos kaufen kann, sollte man den Versuch wagen. Wie wäre es beispielsweise mit Popcorn aus Amaranth?

Und noch etwas ist mir bei der Beschäftigung mit dem Fuchsschwanz eingefallen. Erinnern Sie sich noch an das Gesellschaftsspiel Teekesselchen, bei dem ein Wort mit mehreren Bedeutungen von den Mitspielern erraten werden muss? Also beispielsweise das Wort “Bank”, das sowohl die Sitzgelegenheit als auch das Kreditinstitut bedeuten kann oder “Birne” als Obst oder Leuchtmittel. Beim Fuchsschwanz fallen mir sogar drei Bedeutungen ein. Wie sieht es bei Ihnen aus?

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